RFCU-KELMIS

Fußball – 2. Division Amateure: Kelmis-Präsident Willy Emontspohl über die Kaderplanung und den Rückzug vom Nachbarn aus Raeren  

„Wir würden denselben Weg einschlagen“ 

Steigende Kosten, fehlende Identifikation mit der Mannschaft und die Frage: Wie lange können wir diese Schiene noch fahren? Das waren die Faktoren, die den RFC Raeren-Eynatten im Sommer zum Rückzug aus dem Nationalfußball bewegen. Wie sieht es da beim Nachbarn von der Göhl aus? 

Gemeinsam mit Mickaël Lenaerts übernahm Willy Emontspohl zum Saisonanfang die Präsidentschaft bei der Union Kelmis. „Zwei Köpfe sind besser als einer“, hatte das neue Führungsduo bei seinem Amtsantritt erklärt. Aktuell wird das Geschehen vor allem von Kaderplanungen und Spielergesprächen bestimmt – auch im Prinz-Philippe-Stadion, wo es wie in der vergangenen Saison zu ordentlich Bewegung kommen wird. Bislang haben neun Spieler verlängert, sieben stoßen neu hinzu, neun legen das grün-weiße Trikot ab.

Willy Emontspohl, warum gibt es im Sommer zum zweiten Mal in Folge so viele Wechsel in Kelmis?

Zum zweiten Mal in Folge würde ich nicht sagen, aus der vergangenen Saison sind doch viele geblieben. Wir befinden uns am Ende eines Zyklus, denn eine Mannschaft muss sich ja auch mal verändern. Die meisten Spieler haben nun vier, fünf Jahre zusammen gekickt, da braucht es einen neuen Rhythmus.

Was meinen Sie damit?

Die jüngere Generation kommt von unten hoch und muss sich mit der Mannschaft identifizieren können. Es ist ja auch schön, neue Gesichter im Verein zu haben. Mit Hugo Briart und Tristan Errens steigen zwei Spieler aus der „B“ in die „A“ auf. Nun liegt es an ihnen, sich dort zu beweisen. Vorgesehen sind 20 Feldspieler plus zwei Torhüter. In dieser Saison ist der Kader der 2. Division Amateure sehr klein, aber über diese 22 werden wir trotzdem nicht gehen. Vor allem wollen wir die Atmosphäre behalten: Die Mannschaft besteht aus einem großen Freundeskreis, und Kelmis ist ja ohnehin bekannt für seine dritten Halbzeiten.

Wie sieht es in puncto Neuzugänge von außen aus?

Bislang haben wir Mateo Lopresti aus Malmedy zurückgeholt sowie Hugo Lecloux von Mormont, Maxime François und Florian Campo aus Elsaute und Tom Deffet von Raeren-Eynatten verpflichtet. Die haben fast alle viel Erfahrung in den Nationalklassen. Wir vertrauen da dem Trainerstab vollkommen: Jordan (Remacle, A. d. R.) sucht sich die Leute aus, die er gerne hätte und die vor allem finanziell machbar sind – das ist heutzutage auch ein großer Aspekt.

Gerüchten zufolge kürzt die Union die Prämien der Spieler um 50 Prozent.

50 Prozent weniger für alle stimmt nicht. Wir haben ein anderes Konzept vorgesehen, das es in Flandern schon länger gibt und die Idee des Trainers war: Die Startelf erhält die komplette Prämie und die, die in den letzten 15 Minuten eingewechselt werden, bekommen 50 Prozent. So muss und wird jeder noch mehr um einen Platz in der Anfangsformation kämpfen.

Wie blicken Sie auf die bevorstehende Abmeldung des Nachbarn aus Raeren?

Beim Derby vergangene Woche (Kelmis besiegte Raeren-Eynatten mit 3:1, A. d. R.) habe ich ihren Präsidenten Mario Groteklaes dazu beglückwünscht. Wir kennen uns schon seit ein paar Jahren. Die Kosten steigen immer weiter, und man weiß nie, was die Reform mit sich bringen wird, die eventuell zur Saison 2027-28 eintritt (grob gesagt ist eine Aufstockung der Nationalklassen vorgesehen, A. d. R.). Deshalb kann ich die Entscheidung nachvollziehen, auch wenn sie für den ostbelgischen Fußball natürlich schade ist. Ein großes Derby fällt damit weg. Vielleicht kommt ja die U23 der AS Eupen wieder hinzu.

Steht Kelmis auf kurze Sicht vor derselben Kreuzung wie Raeren-Eynatten?

Man weiß natürlich nie, was in einem Jahr ist, aber im Moment nicht. Wenn wir allerdings merken sollten, dass sich der Verein in Schwierigkeiten befindet, würden wir denselben Weg einschlagen. Das steht fest und ist auch schon mit Mickaël abgesprochen. Ich gehe mal davon aus, dass der Vorstand da mitziehen würde. Für die kommende Saison haben wir jedenfalls die Lizenz für die 2. Division Amateure angefragt. Die 1. Division Amateure? So weit wollen wir gar nicht gehen. Wir sind immer noch ein Dorf, das nicht die finanziellen Möglichkeiten besitzt wie eine Stadt.

Nun blickt Kelmis auf eine wesentlich längere Historie im Nationalklassenfußball als Raeren-Eynatten. Hat das Abenteuer selbst für die Union irgendwann seine Grenzen?

Wie gesagt, niemand weiß, wie es in einem Jahr aussieht. Auf jeden Fall braucht man sich nicht zu schämen, wenn man nochmal kleiner anfängt.

Der Wechsel von Quentin Hubert als Kapitän und „Kelmiser Jung“ im Sommer nach Amel dürfte besonders schmerzen.

Auf jeden Fall. Er ist hier groß geworden, sein Vater Vincent war sieben Jahre lang Präsident. Abgesehen davon schmerzt natürlich jeder Abgang, aber jeder Spieler darf selbst entscheiden, was er macht. Wir haben allen Vorschläge gemacht, und wenn sie sich trotzdem anders orientieren wollen, ist das ihr Recht.

Befürchten Sie, dass Kelmis seine DG-Identität verlieren könnte? Auf dem Platz wird kaum mehr Deutsch gesprochen.

Das nimmt in Ostbelgien doch generell immer mehr ab. In Raeren ist das zum Beispiel ebenso der Fall, und nicht jeder Ostbelgier hat das Niveau für die 2. Division Amateure.

Unter anderem deshalb zieht der RFC ja auch die Reißleine.

In Kelmis wird im Jugendbereich ohnehin viel Französisch gesprochen – ob in der U17, der U19 oder selbst in der B-Mannschaft. Größtenteils sind da alle mindestens zweisprachig.

Wie blicken Sie auf Ihr erstes halbes Jahr als Präsident zurück?

Mickaël Lenaerts und ich fühlen uns gut im Amt. Natürlich stellen sich uns ganz andere Arbeiten und Anstrengungen als im Jugendbereich, in dem ich weiter tätig bin. Aber wir ergänzen uns gut und haben einen starken Vorstand hinter uns.